Drachenfliegen

Kann ein Mensch so frei und genussvoll, so gekonnt und unbeschwert, kurz um mit ähnlicher Leichtigkeit und Eleganz wie ein Adler, Bussard oder Milan durch die Lüfte gleiten?

 

Nimmt man die (Gleit-)Flugkünste der Adler, Bussarde oder Milane als Maßstab und verknüpft diese Art des Fliegens mit der bei diesen Vögeln vorhanden Lust und Freude am Fliegen (jeder hat die Lustschreie schon gehört und gesehen, wie sie am Himmel ihre Kapriolen schlagen) und packt die ökologischen und ökonomischen Aspekte noch oben drauf (im 100%-igen Einklang mit der Natur, unter ausschließlicher Nutzung der von der Sonne erzeugten thermischen und dynamischen Aufwinde), dann wird man verstehen, warum diese Gleitflugvögel zurecht als die Könige der Lüfte bezeichnet werden.

 

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Drachenflieger hoch über dem Gardasee.

Diese Art des Fliegens kann durchaus als genial bezeichnet werden. Genial deshalb, weil die Evolution hoch flexible, aerodynamisch durchgestylte, filigrane, sehr leichte und in sich sehr stabile Lösungen hervorgebracht hat, mit denen sich diese Vögel ohne fremde Hilfe und ohne nennenswerten Kraftaufwand sicher und kontrolliert vom Erdboden lösen, in atemberaubende Höhen aufsteigen und stundenlang über weite Strecken hinweg durch die Lüfte gleiten und Stunden später am geplanten Zielort wieder landen können.

Man denke an dieser Stelle nur an die Störche, die unter Ausnutzung thermischer Aufwinde im kräftesparenden Gleitflug zur Überwinterung von Deutschland nach Südafrika über 10.000 km weit fliegen. Eine für uns Menschen unvorstellbare Leistung.

Wenn man diese faszinierenden Dimensionen dieser unbeschwerten und absolut freien Fliegerei so liest, hätten Sie da gedacht, dass man die oben gestellte Frage mit einem eindeutigen „ja“ beantworten kann?

Allerdings muss man betonen, dass dieses „ja“ ausschließlich und uneigeschränkt nur für die Flugsportart Drachenfliegen (Fliegen mit einem flexiblen Hängegleiter) zutrifft.

 

Diese wirklich sehr große Nähe zum Gleitvogelflug macht das Drachenfliegen als Flugsportart einzigartig und die Menschen, die diesen Sport beherrschen, auch wenn es sich etwas abgehoben anhört, zu Privilegierten.

Wie stolz und fasziniert wäre wohl Otto Liliental, wenn er als dahingleitender Drachenpilot das grandiose Ergebnis seiner Pionierarbeit hautnah erleben könnte?

Was ist Drachenfliegen?

Als gut ausgebildeter Drachenflieger kommt man mit seinem Können schon sehr nahe an die oben beschriebene Genialität des Gleitvogelflugs heran. Wie auch ein Greifvogel bildet der Mensch mit seinem (Nur-)Flügel eine systemische Einheit, man könnte den Zusammenschluss auch als gelungene Symbiose (Mensch mit Fluggerät) bezeichnen.

Alle Kräfte die auf das System einwirken (Gravitation, Steuerkräfte, Fliehkräfte, dynamische/thermische Luftkräfte etc.) werden über die menschliche Sensorik, also vom Piloten selbst, in ihrer Intensität und Wirkung direkt und verzögerungsfrei als Zug- und Druckkräfte am Körper wahrgenommen.

Passen die Auswirkungen der gespürten Kräfte nicht zur Fluglage /-planung (z. B. der Drachen will durch einen einseitig wirkenden thermischen Aufwind in einen ungewollten Kurvenflug gehen), dann steuert der Pilot dadurch entgegen, indem er durch gezielte und fein dosierte Gewichtsverlagerung (der Pilot verlässt aktiv seine neutrale Schwerpunktlage) entsprechend hohe Gegenkräfte erzeugt (der Drachen bleibt im gewünschten Geradeausflug) bzw. wenn ohne „externe“ Einflüsse gesteuert werden soll, dann verschiebt der Pilot seinen Schwerpunkt in die Richtung, in die er hinsteuern möchte. Hinzu kommt, dass durch die Gewichtsverlagerung die Fluggeschwindigkeit vom Piloten bestimmt wird.

Man muss sich das Ganze wie ein Pendel bzw. wie einen Joystick an einer Fernsteuerung vorstellen. Wirken weder von innen noch von außen Kräfte auf das System, dann fliegt der Drachen ganz von alleine in der sogenannten Trimmgeschwindigkeit in stabiler Fluglage gerade aus.

Schlägt das Pendel (der Pilot) nach links aus bzw. betätigt man den Joystick nach links, dann fliegt der Drachen nach links, geht die Bewegung nach vorne, dann fliegt der Drachen schneller, geht man nach hinten, dann fliegt der Drachen langsamer.

Wie man sicherlich leicht erkennen kann, sind diese kontrollierten Pendelbewegungen völlig natürliche Steuerbewegungen, die im fortgeschritten Ausbildungsstadium weitestgehend intuitiv, also ohne nachzudenken, vom Piloten automatisch ausgeführt werden.

Ist der Pilot von Grund auf gut ausgebildet, dann sind Fehlhandlungen so gut wie ausgeschlossen.

Da das Drachenfliegen zu dem auch noch alle harten (Anforderungen an die Technik) und weichen (Anforderungen an den Mensch) Kriterien, die alle als unabdingbare Voraussetzung für Spaß, Freude, Genuss und Glück am Fliegen erfüllt sein müssen, mit Bravur erfüllt, darf man der Drachenfliegerei zu Recht auch hier das Attribut „einzigartig“ verleihen.

Ohne zwischen den Flugsportarten vergleichen zu wollen, muss man das unübertroffene Fluggefühl beim Drachenfliegen hervorheben. Denn letztendlich resultieren die unvergesslichen, einmaligen, mit Glückshormonen überfluteten Flugerlebnisse (Flug für Flug!) aus der hohen passiven und aktiven Sicherheit und dem einmaligen Fluggefühl. Hervorheben sollte man auch, dass nur der flexible Drachen als einziges Fluggerät/Flugzeug gänzlich ohne aerodynamische Steuerhilfsmittel (Ruder und Klappen) auskommt.

Wie wird man ein guter, sicher agierender, genussvoll fliegender Drachenpilot?

Die Basis für eine erfolgreiche Drachenfliegerkariere ist neben einer normalen körperlichen und geistigen Fitness, Talent, sportlicher Kondition (Kraft/Ausdauer) und Feinmotorik eine qualifizierte, hochwertige, individuell gestalt- und terminierbare Pilotenausbildung in einem dafür zu 100% geeigneten, kompromissfreien Fluggelände, in dem die Grund- und Höhenflugschulung sicher, allumfassend und möglichst ganzjährig durchgeführt werden kann. Das so eine Ausbildungsstätte auch über eine adäquate (Urlaubs-)Infrastuktur verfügen sollte, gehört einfach mit dazu.

Damit man zügig in seiner Ausbildung vorankommt, sollten regelmäßige Flugtrainingseinheiten (3 – 14 Tage am Stück) in möglichst kürzeren Abständen (2 – 3 Einheiten pro Jahr) in gleicher / gewohnter Umgebung absolviert und die Umsetzungsqualität der angesetzten Trainingsaufgaben durch konstruktive Selbst- und Fremdkritik (Fluglehrer/Trainer) objektiv eingeordnet werden.

Sind die Abstände zwischen den Trainingseinheiten zu groß und/oder die Trainingseinheiten von der Dauer her zu kurz, dann besteht die große Gefahr, dass man immer wieder von vorn anfangen muss bzw. man auf der Stelle tritt. Drachenfliegen ist ein Sport, bei dem man im Training bleiben muss.

Leider ist es so, dass es, warum auch immer, fast keine geeigneten Schulungs- und Trainingsgelände gibt, in denen man das komplette Ausbildungsprogramm absolvieren kann. Die Folge ist,  dass man sich als „Lonly heart“ nach der Grundausbildung im Learning by doing Verfahren in nicht dafür geeigneten Fluggeländen ohne Trainer durchkämpfen muss.

Diese Situation ist auch die Ursache warum 95% aller Flugschüler nach der Grundausbildung und Erwerb der Pilotenlizenz das Fliegen wieder aufhören bzw. sich nie zum wirklichen Könner entwickeln können.

Damit dieses Dillema ein für alle mal ein Ende hat haben wir Wendusfly gegründet.

 

 

Beim Drachenfliegen ist es wie bei vielen anderen Sportarten auch, man muss zuerst die (schweißtreibenden) Basics intensiv und allumfänglich erlernen, trainieren und verinnerlichen muss, bevor man sie durch gezieltes Training zum erfahrenen Könner hochqualifizieren kann.

Drachenfliegen kann fast von jedermann /-frau ab 16 Jahre bis ins hohe Alter (wir haben schon 70-jährige erfolgreich geschult) mit etwas Talent, normaler Koordinationsmotorik, körperlicher und geistiger Fitness (Kraft und Ausdauer) sicher (sportverletzungsfrei) in verhältnismäßig kurzer Zeit bis zur Höhenflugreife erlernt werden.

Ich persönlich habe nach 5 Tagen Übungshang meinen ersten Höhenflug (300m Höhenunterschied zwischen Start- und Landeplatz) absolviert.