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Feb 24

Gleitschirmfliegen vs. Drachenfliegen

Wer sich dafür interessiert, ich habe einen Kommentar zu dem nachfolgenden Newsletter des Thermik Magazins an die Thermik-Redaktion geschrieben.

Mein Kommentar folgt direkt nach dem Thermik-Magazin Beitrag.

Newsletter  Nr. 57 Thermik Magazin

Über die Eigenverantwortung des Piloten

Es ist noch nicht lange her, dass sich die Paragliding Manufacturers Association (PMA) öffentlich gegen die Safty Class Tests des DHV geäußert hat. Es ist darin von einer „nicht mehr tragbaren Verzerrung des Marktes“ und einer „nicht nachvollziehbaren Einstufung der betroffenen Geräte“ die Rede. Die Stellungnahme ist unter http://goo.gl/Wxbmv1 zu finden.

Dieses öffentliche Aufstehen der Hersteller hat Öl in das Feuer der Zulassungsdiskussion gekippt, die sich seit einigen Jahren im Kreis dreht. Es scheint, als möchte jeder der Parteien (Hersteller, Zulassungsstellen, Endkunden) die Verantwortung für die Sicherheit auf den jeweils anderen abwälzen.

Dabei ist doch die einzig zentrale Frage jene: Wie schafft man es, dass möglichst viele (idealerweise alle) Piloten zu dem Schirm kommen, der ihrem Können entspricht und ihnen den größtmöglichen Flugspaß ermöglicht? Wie so oft gibt es dazu keine eindeutige Antwort.

Ein – nicht mal neues – Gedankenexperiment ist besonders interessant: Die Aufhebung der Schirmklassen. Gäbe es jene Einstufung nicht mehr, so wäre der Pilot zu mehr Eigenverantwortung „gezwungen“. Er müsste sich mehr informieren und ehrlicher zu sich selbst sein, um nicht unter dem für ihn falschen Schirm zu enden.

Dieser Umdenkprozess hat ohnehin bereits begonnen. Viele Piloten haben das Vertrauen in den Zulassungsapparat verloren – spätestens seit den Safety Tests. Und obgleich es einige positive Aspekte der Musterprüfung gibt (bestes Beispiel: den Belastungstest), so sehr ist dieser Reifungsprozess der Fliegerschaft als höchst positiv einzustufen.

Fragen/Anregungen/Kritik sind gerne willkommen!
franz.altmann@thermik.at

 

Mein Kommentar:

Hallo Franz,

ich habe gerade mit Interesse dein Newsletter gelesen. Als leidenschaftlicher Drachenflieger (seit 36 Jahren) und Gründer von Wendusfly muss ich mich seit es das Gleitschirmfliegen gibt über diese endlosen, im Grunde nicht nachvollziehbaren Diskussionen wundern.

Die Diskussion würde aus meiner Piloten-Sicht sehr schnell in eine andere Richtung gehen, wenn man allen, die das Gleitschirmfliegen beginnen und ausüben wollen, nachdrücklich und eindeutig zu Verstehen geben würde, dass sie beim freien Fliegen mit einem Fluggerät unterwegs sein werden, dass im Gegensatz zu allen anderen Fluggeräten keine nennenswerten negativen Lasten standhält. Das hat zur Folge, dass man als Pilot über kurz oder lang mit „lebensbedrohenden“, ad hoc auftretenden Flugsituation konfrontiert (egal mit welcher Geräteklasse man unterwegs ist) werden wird, die man als (Freizeit-) Pilot nur bedingt oder überhaupt nicht unter Kontrolle bekommt.

Mit den bekannten von – bis Unfall-Folgen!

Der Ausgang ist immer offen! Viel Glück gehabt – kein Glück gehabt!

Egal wie die Situation ausgeht, auf jeden Fall bleibt die Angst beim Fliegen. Das bestätigen die nicht von mir stammenden Zahlen, dass 95 % aller Gleitschirmpiloten Angst beim Fliegen haben.

Die Idee des freien, ungezwungenen Fliegens ist doch Spass und Freude und nicht Angst!!

Wenn diejenigen die das Manko, die Problematik, die Folgen und auch die hochwertigen Alternativen kennen (wie z. B. der DHV) objektiv und aufklärend mit dem Thema umgehen würden, dann würde das Schönreden aufhören, die Lobbyarbeit nicht mehr fruchten, der Zulauf gestoppt und die flughungrigen Menschen dort hin umgelenkt, wo man wirklich mit viel Spaß und Freude und vor allem ohne Angst die Faszination des Fliegens über Jahre hinweg in Reinkultur erleben kann.

Zum Beispiel ist das Drachenfliegen dem Gleitschirmfliegen in allen relevanten Kriterien weit überlegen.

Nur in einem ist der Drachensport dem Gleitschirmsport unterlegen. In der Lobbyarbeit, im Marketing und dem Umstand, dass man als Hersteller, Händler und Ausbilder nicht so schnell, so leicht und so viel Geld umsetzen und verdienen kann.

Alleine die Tatsache, dass in Deutschland 2.500 Gleitschirmpiloten im Jahr mit dem Sport anfangen und genauso viele mit bezahlter Ausbildung und gekaufter Ausrüstung wieder und hauptsächlich wegen der Angst beim Fliegen aufhören und für alle Zeiten raus sind aus der Fliegerei, muss einen doch sehr nachdenklich stimmen.

Big Business auf Kosten von Menschen, die . Die vielen Verunfallten möchte ich hier nicht anführen!

Vielleicht interessiert du dich, wenn du Gleitschirmpiloten sein solltest, für meinen ganz aktuellen Film Faszination Drachenfliegen und meine auf www.wendus.de angebotenen Umsteiger-Workshops.

PS Du darfst, wenn dir der Film gefallen hat, den Link gerne an „viele“ Menschen weiterverschicken. :-) Schon mal vielen Dank im Voraus.

Ach ja, ein kleines Feedback von dir wäre natürlich auch schön…

Schöne Grüße

Wendus Görz

2 Kommentare

  1. Johann F.Huber

    Hallo zusammen,
    wie gefährlich das Gleitschirmfliegen wirklich sein kann ,durfte ich am eigenen Leib erleben.
    Ich bin in der Grundausbildung von einem 50 Meter Hang, leider bei schon einsetzender Thermik ca.200m Geflogen(ohne Kontakt zum Fluglehrer!)
    Kurz vor der Landung erwischte mich ein thermischer Abriss und katpultierte mich in kürzester Zeit auf ca.10m Höhe zurück.
    Ich erschrak derart dass ich nur noch an den Seilen zog mit dem Resultat,daß der Schirm hintermir verschwand und nachdem lösen der Bremse wieder vor mir ungebremst in den Boden knallte ,ich gleich hinterher.Ich brach mir dabei fast alles.
    Das zum Thema Gleitschirmstabilität.
    Leider musste ich auch die Erfahrung machen,wie fahrlässsig teilweise geschult wird.Bestes Beispiel Ich selber,kein Kontakt zum Flugleher,Schulung bei einsetzender Thermik.Hauptsache schnell in den Höhenflugkurs.Zeit ist Geld!
    Und der DHV schaut zu!

    Schöne Grüsse
    Johann

  2. Sven S.

    Hallo!
    Ich denke jeder ist Fan seines Fluggerätes!
    Das ist auch gut so!
    Eine absolut objektive Sicht, was nun sicherer sei verbietet sich,
    weil beides seine Tücken hat.
    Sicherlich ist unschön das ein Gleitschirm keine negativen Lasten verträgt,
    das wird man aber auch zu vermeiden versuchen.
    (Und es hat auch Vorteile das die Fläche in Extremfällen nach unten ausweicht)
    Ich bin 26Jahre begesitert Gleitschirm geflogen (ohne schwere Unfalle)
    Nun fliege ich auch Drachen, ebenso begeistert!
    Aber ich durfte auch schon feststellen, das Drachenfliegen seine Tücken hat,
    die man beherrschen lernen muss.
    Jeder Drachenflieger kennt diese auch, so will ich das jetzt auch nicht lange ausbreiten.
    Hören wir auf Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

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